Arbeitskreis Wasserpflanzen Region Bayern-Süd






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AquaPlanta 04/2016



Inhalt

Hans-Josef Hobusch Ein Rückblick auf 40 Jahre VDA-Arbeitskreis Wasserpflanzen
Georg Mühl Echinoderus opacus – eine seltene Aquarienpflanze
Niels Jacobsen, Jan D. Bastmeijer, Takashige Idei, Norito Takahashi, Suwidji Wongso und Marian Ørgaard Neuguinea – Rätsel um Cryptochoryne versteegii und Cryptochoryne dewitii
Claus-Peter Gering Lythrum salicaria L. – Der Blutweiderich
Günter Oberjatzas Treffen der Europäischen Cryptochoryne Society (ECS)
Reinhard Boeck Berliner Aquarientag – Gemeinschaftsveranstaltung des AKW und des VDA-Bezirks 01 in Berlin
Reinhard Boeck Mitgliederversammlung 2016
Sven Brunke Neuer stellv. Vorsitzender des Arbeitskreises Wasserpflanzen
Günter Oberjatzas & Reinhard Boeck Literaturbesprechungen
Claus Rembold Jahresbeitrag 2017

 



Oktober 2016



Schwarzwasser-Cryptocorynen im fließenden Wasser

von Walter Mißbichler

Ein Cryptocorynenfreund aus der Regionalgruppe bringt uns diese ungewöhnliche, bis vor wenigen Jahren noch undenkbare Haltungsform näher.

Als erstes Berichtete er uns über seine emersen Versuche mit unterschiedlichen Cryptocorynen und unterschiedlichen Kulturformen und Substraten. In ganz normalen Gittertöpfen kultivierte er zuerst C. griffithii in einer Substratmischung aus vier verschiedenen Substraten zusammengesetzt. Kies, Torf, Lehm und Blumenerde wurden zusammengemischt und die Cryptocorynen darin eingesetzt. In diesem Substrat war es auch schon möglich binnen einem halben Jahr die ersten Blüten zu sehen. Als Nachteil erwies sich aber die Blumenerde, weil diese zu viele Nährstoffe beinhaltet und die Cryptocorynen durch Überdüngung langfristig schädigt und schließlich zum Absterben bringt.

Der nächste Versuch mit C. minima aus Sumatra wurde in saurer Buchenlauberde als alleiniges Substrat durchgeführt. Der Erfolg war schon nach kurzer Zeit sichtbar mit wunderschönen Blüten in leuchtend gelb. In diesem Substrat wurden dann viele Arten (ca. 30!) erfolgreich emers kultiviert. Als Beispiel wurde C. bullosa gezeigt.

Doch nach vielen Jahren ist ein Pilz in den Kulturen aufgetreten, der alle Pflanzen und Töpfe zunehmend überzogen hat und durch chemische Mittel nicht nachhaltig zu bekämpfen war. Weil der Pilz das Wachstum der Pflanzen behinderte reifte der Gedanke die Cryptocorynen in fließendes Wasser zu setzen, wo der Pilz dann von selbst verschwunden ist.

In der derzeitigen Kultur werden 2 Aquarien mit je 350 Liter Volumen verwendet. Der Wasserstand beträgt 24 cm, was ca. 150 Liter Wasser entspricht. Das Wasser wird einer Umkehrosmose Anlage entnommen und es werden geringe Mengen Spurenelemente zugesetzt.

Um fließendes Wasser zu erhalten ist eine Umwälzpumpe mit Oberflächenabsaugung installiert.

Die Cryptocorynen werden artenrein in 20 cm hohen Plastikschalen in Buchenlauberde gesetzt, wo sie anfangs mit kalkfreien Steinen beschwert werden. Die Schalen mit den Cryptocorynen stehen also ca.4 cm unter Wasser und die Blätter der Cryptocorynen liegen auf der Wasseroberfläche auf, so wie das zum Beispiel auch von Seerosen bekannt ist.

Die Strömung ist so eingestellt, dass sich die Blätter der Cryptocorynen auf der Wasseroberfläche stark bewegen, das Substrat am Boden der Schalen aber nicht aufgewirbelt wird.

Als Beleuchtung hat sich eine T8 Leuchtstoffröhre als völlig ausreichend bewiesen. Die Temperatur des Wassers ist auf 27 °C eingestellt.

Diese Kultur hat sich bisher als Perfekt erwiesen und die Cryptocorynen vermehren sich enorm und blühen. Sie werden sehr viel größer als das in emerser Kultur der Fall war. Als Fazit kann gesagt werden, dass jetzt eine optimale Kulturform gefunden wurde und man nicht einfach aufgeben soll. Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus.

Im Weiteren wurde uns von den Gästen Mario Pohl aus Stuttgart und Claus Kettner mit Sohn aus der Schweiz noch wunderschöne Bilder von Naturfundorten und Cryptocorynen seltener Arten gezeigt. Dies war eine absolute Bereicherung zu unserem Tagesprogramm und alle waren Nachhaltig begeistert, was in den anschließenden einzelnen Gesprächen zu hören war.

Fazit: Ein gelungenes Treffen das sich in seiner Einzigartigkeit wiederspiegelt und in Worten kaum zu fassen ist. Wir freuen uns schon jetzt auf das Jahresprogramm 2017!